Fahrradträger an der Deichsel: Stützlast & Montage

Fahrradträger an der Wohnwagen-Deichsel: Wie er die Stützlast erhöht, was Träger aushalten, warum E-Bikes oft zu schwer sind und worauf du bei Beleuchtung achten musst.

Fahrräder gehören für viele Camper zum Urlaub dazu – sie stehen auf jeder Checkliste für den Wohnwagen-Urlaub. Aber wohin damit? Das Heck des Wohnwagens ist oft keine Option – Fenster, Gaskasten oder die Aufbautür sind im Weg. Die Deichsel dagegen bietet Platz, ist stabil und leicht zugänglich. Deichsel-Fahrradträger sind deshalb eine beliebte Lösung. Aber sie bringen einen entscheidenden Faktor mit, der die Planung verkompliziert: das Thema Stützlast.

So funktionieren Deichsel-Fahrradträger

Ein Deichsel-Fahrradträger wird auf dem A-Rahmen (der V-förmigen Deichsel) des Wohnwagens montiert. Die meisten Systeme bestehen aus einem Grundträger, der an den Deichselrohren verschraubt wird, und Fahrradschienen mit Klemmen, auf denen die Räder fixiert werden. Je nach Modell finden zwei bis drei Fahrräder Platz.

Die Montage erfolgt in der Regel per Schraubklemmen direkt an den Deichselrohren. Die Rohre haben bei den meisten Wohnwagen einen Durchmesser von 50 bis 60 mm. Zum Stützrad selbst gibt es übrigens auch Upgrades – siehe AL-KO Premium Stützrad Vergleich. Vor dem Kauf unbedingt den Rohrdurchmesser und den verfügbaren Platz auf der Deichsel ausmessen – zwischen Kupplungskopf und Aufbau muss genug Raum sein.

Einige Träger erfordern zusätzliche Montageschienen oder Adapterplatten, die an der Deichsel verschweißt oder verschraubt werden. Das ist stabiler als reine Klemmontage, aber aufwändiger und meistens nicht ohne Fachbetrieb machbar. Manche Hersteller bieten auch Schnellverschlüsse, mit denen der Träger bei Nichtgebrauch abgenommen werden kann.

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Stützlast: Der kritische Faktor

Hier liegt der Knackpunkt bei jedem Deichsel-Fahrradträger. Die Fahrräder werden vor der Achse des Wohnwagens montiert – also genau dort, wo ihr Gewicht direkt die Stützlast erhöht. Zwei normale Fahrräder bringen 20 bis 30 kg auf die Waage. Dazu kommt der Träger selbst mit 10 bis 15 kg. In Summe landen also 30 bis 45 kg zusätzlich auf der Kupplung.

Das klingt nach wenig, kann aber zum Problem werden. Die maximal zulässige Stützlast liegt bei den meisten PKW im Bereich von rund 70 bis 90 kg, häufig bei 75 kg – SUVs und Geländewagen erreichen teils mehr. Wenn der Wohnwagen bereits mit 60 kg Stützlast auf die Kupplung drückt und dann noch 35 kg Fahrräder dazukommen, sind 95 kg erreicht – bei einem Fahrzeug mit 75 kg Maximal-Stützlast wäre das deutlich zu viel.

Entscheidend ist dabei: Es zählt immer der niedrigste der drei Werte – die zulässige Stützlast des Zugfahrzeugs, die der Anhängerkupplung (Typenschild) und die des Wohnwagens. Vor der Anschaffung eines Deichsel-Fahrradträgers deshalb diese Werte abgleichen. Die maximale Stützlast des Zugfahrzeugs steht in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (früher Fahrzeugschein) in Feld 13, die zulässige Stützlast des Wohnwagens auf dessen Typenschild. Wie du die tatsächliche Stützlast korrekt misst und berechnest, steht im Ratgeber zu Gewicht und Zuladung.

Hersteller im Überblick: Thule, Sawiko, Atera

Thule* ist einer der bekanntesten Namen bei Trägersystemen. Die Deichsel-Fahrradträger von Thule zeichnen sich durch solide Verarbeitung und durchdachte Klemmsysteme aus. Preislich ordnen sie sich im Premium-Segment ein, bieten dafür aber eine hohe Qualität und gute Ersatzteilversorgung.

Sawiko ist ein deutscher Hersteller, der sich auf Trägersysteme für Wohnwagen und Wohnmobile spezialisiert hat. Die Sawiko-Modelle sind robust, teils etwas schwerer als die Konkurrenz, aber sehr stabil. Der Sawiko Agito*-Fahrradträger gehört zu den meistverkauften Deichselträgern und siedelt sich preislich im gehobenen Mittelfeld an.

Atera* bietet ebenfalls Deichsel-Fahrradträger an, ist aber eher für Heck- und Dachträger am PKW bekannt. Die Modelle für die Wohnwagen-Deichsel sind solide Mittelklasse und preislich entsprechend moderater positioniert.

Bei allen Herstellern gilt: Die Tragfähigkeit des Trägers prüfen. Die meisten Deichselträger sind für 30 bis 50 kg Gesamtlast ausgelegt. Zwei leichte Tourenräder passen immer, bei drei Fahrrädern wird es je nach Modell eng.

E-Bikes auf der Deichsel: Oft zu schwer

E-Bikes verändern die Rechnung grundlegend. Ein modernes E-Bike wiegt zwischen 22 und 28 kg – ein normales Fahrrad nur 12 bis 15 kg. Zwei E-Bikes bringen also 44 bis 56 kg auf die Deichsel, plus das Gewicht des Trägers. Damit ist die zulässige Stützlast bei vielen Gespannen überschritten.

Dazu kommt: Viele Deichsel-Fahrradträger haben eine maximale Tragfähigkeit von 40 bis 50 kg. Zwei E-Bikes sprengen diesen Rahmen oft bereits. Das Risiko beschränkt sich nicht nur auf die Stützlast – ein überlasteter Träger kann sich verbiegen oder im schlimmsten Fall brechen.

Wer die Stützlast exakt messen will, braucht eine Stützlastwaage. Für E-Bikes sind Heckträger am Wohnwagen die bessere Wahl. Diese verteilen das Gewicht hinter der Achse, reduzieren die Stützlast sogar und sind für höhere Lasten ausgelegt. Alternativ können E-Bikes auf einem Dachträger des Zugfahrzeugs transportiert werden – allerdings ist das Hochheben von 25-kg-Rädern auf Dachhöhe eine sportliche Angelegenheit.

Montage und Alltagstipps

Die Erstmontage eines Deichsel-Fahrradträgers sollte in Ruhe zu Hause stattfinden, nicht auf dem Campingplatz. Die Klemmen müssen exakt sitzen und fest angezogen werden. Nach den ersten Fahrkilometern alle Verschraubungen nachziehen – Vibrationen lockern frische Verbindungen.

Die Fahrräder immer mit Spanngurten oder den mitgelieferten Klemmen sichern – passende Gurte findest du in unserer Must-Have-Zubehörliste. Ein umfallendes Fahrrad auf der Deichsel kann die Kupplung beschädigen oder das Bremsseil des Abreißseils verheddern. Pedale am besten abmontieren oder zur Seite drehen, damit sie nicht an der Deichsel oder Gasleitung scheuern.

Vor jeder Fahrt einen kurzen Kontrollblick auf den Träger werfen: Sitzen die Klemmen fest? Stehen die Räder stabil? Scheuert nichts am Wohnwagen?

Beim Deichselträger sitzen die Räder zwischen Zugfahrzeug und Wohnwagen – die Rückleuchten und das Kennzeichen des Wohnwagens bleiben damit normalerweise frei. Das ist ein Vorteil gegenüber dem Heckträger, bei dem verdeckte Rückleuchten zwingend eine eigene Beleuchtungsleiste erfordern. Trotzdem gilt: Beleuchtung und Kennzeichen dürfen in keiner Weise verdeckt oder verschmutzt werden – auch nicht durch nach hinten überstehende Lenker oder Pedale. Achte zudem darauf, dass die Räder nicht über die Fahrzeugbreite hinausragen. Welche Stützlast-Reserve dein Gespann überhaupt mitbringt, hängt stark von der Kombination ab – mehr dazu im Ratgeber zu Zugfahrzeug und Wohnwagen.

Den Träger bei Nichtgebrauch abnehmen. Das spart Gewicht auf der Stützlast und schont die Klemmen vor unnötiger Belastung durch Vibrationen. Außerdem sieht ein leerer Fahrradträger auf der Deichsel unschön aus und bietet Windangriffsfläche.

Fazit

Deichsel-Fahrradträger sind eine praktische Lösung für den Transport von zwei bis drei normalen Fahrrädern. Entscheidend ist die Stützlast-Berechnung: Jedes Kilogramm auf der Deichsel drückt zusätzlich auf die Kupplung. Für E-Bikes sind Deichselträger in den meisten Fällen keine gute Wahl – das Gewicht ist einfach zu hoch. Wer die Stützlast im Griff hat und normale Fahrräder transportiert, bekommt mit einem Deichselträger von Thule, Sawiko oder Atera eine solide, gut zugängliche Transportlösung.

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