Wohnwagen aufstellen: So machst du es beim ersten Mal richtig
Ankuppeln, ausrichten, nivelieren, anschließen – das erste Mal Wohnwagen aufstellen ist einschüchternd. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung macht es einfach.
Du hast den Campingplatz erreicht, deinen Stellplatz zugewiesen bekommen – und jetzt? Das erste Mal den Wohnwagen aufstellen kann sich anfühlen wie eine Prüfung, bei der du den Lernstoff nicht hattest. Kupplung lösen, nivellieren, Strom anschließen, Gas prüfen – da kommen einige Schritte zusammen. Aber keine Panik: Ich führe dich durch den gesamten Prozess, von der Ankunft bis zum ersten Kaffee unter der Markise. Danach weißt du genau, was zu tun ist.
Den richtigen Stellplatz wählen
Bevor du überhaupt anfängst, deinen Wohnwagen zu positionieren, wirf einen Blick auf den Stellplatz. Nicht jede Parzelle ist gleich, und ein paar Minuten Planung sparen dir später viel Arbeit.
Achte auf Folgendes:
- Untergrund: Fester, ebener Boden ist ideal. Weicher Rasen kann zum Problem werden, wenn es regnet – die Stützen sinken ein, und die Reifen graben sich fest.
- Neigung: Eine leichte Neigung ist normal und mit Auffahrkeilen ausgleichbar. Steht die Parzelle aber stark schief, wird das Nivellieren zum Kraftakt.
- Schatten und Sonne: Im Sommer willst du nicht den ganzen Tag in der prallen Sonne stehen. Achte auf Bäume, die Schatten spenden – aber meide Plätze direkt unter klebrigen Nadelbäumen (Harz auf dem Dach ist eine Katastrophe).
- Stromanschluss: Prüfe, wo die Stromsäule steht und ob dein CEE-Kabel lang genug reicht.
- Wasseranschluss und Entsorgung: Je näher, desto bequemer.
Wenn du die Möglichkeit hast, den Stellplatz vorher ohne Wohnwagen anzuschauen, nutze das. Ein kurzer Rundgang zu Fuß kann dir viel Ärger ersparen. Tipps zur Stellplatzsuche findest du auch in unserem Ratgeber zu Stellplatz finden mit Apps.
Ausrichten und Nivellieren
Das Nivellieren – also das waagerechte Ausrichten des Wohnwagens – ist einer der wichtigsten Schritte. Warum? Dein Absorber-Kühlschrank funktioniert nur zuverlässig, wenn der Wohnwagen einigermaßen waagerecht steht. Außerdem rollt dir nachts im Bett nicht alles in eine Ecke.
So gehst du vor:
Schritt 1 – Seitliche Neigung ausgleichen: Fahre den Wohnwagen auf den Stellplatz und prüfe mit einer Wasserwaage (auf dem Boden im Innenraum oder auf der Deichsel), in welche Richtung der Wohnwagen kippt. Lege Auffahrkeile auf der niedrigeren Seite unter die Räder und fahre den Wohnwagen darauf. Prüfe erneut mit der Wasserwaage.
Schritt 2 – Entkuppeln: Wenn der Wohnwagen seitlich gerade steht, kuppelst du ab. Die genaue Reihenfolge zum Entkuppeln findest du in unserer Ankuppel-Anleitung – dort ist auch das Entkuppeln beschrieben.
Schritt 3 – Längsneigung ausgleichen: Mit dem Stützrad kannst du die Deichsel anheben oder absenken und so die Längsneigung justieren. Kurbel so lange, bis die Wasserwaage in beide Richtungen (quer und längs) im Wasser steht.
Schritt 4 – Kurbelstützen ausfahren: Fahre alle vier Eckstützen herunter, bis sie fest auf dem Boden aufliegen. Lege Stützplatten unter, damit sie nicht einsinken. Die Stützen sollen den Wohnwagen stabilisieren, nicht anheben – der Wohnwagen muss weiterhin auf seinen Reifen stehen, nicht auf den Stützen.
Strom anschließen: Der CEE-Stecker
Landstrom auf dem Campingplatz läuft über blaue CEE-Stecker – das ist der europäische Standard. Dein Wohnwagen hat einen CEE-Eingang, und du verbindest ihn über ein CEE-Kabel mit der Stromsäule auf dem Campingplatz.
Wichtige Punkte:
- Kabellänge: 25 Meter sind Standard und reichen in den meisten Fällen. Auf manchen Plätzen brauchst du sogar mehr. Nimm lieber zu viel als zu wenig Kabel mit.
- Reihenfolge: Stecke das Kabel erst am Wohnwagen ein, dann an der Stromsäule. Beim Abstecken umgekehrt: erst Stromsäule, dann Wohnwagen. So vermeidest du Lichtbögen.
- Adapter: Auf manchen älteren Campingplätzen gibt es noch Schuko-Steckdosen statt CEE. Ein Adapter von CEE auf Schuko sollte deshalb immer dabei sein.
- FI-Schutzschalter: Prüfe nach dem Anstecken, ob der FI-Schutzschalter im Wohnwagen auslöst. Drücke die Testtaste – der Schalter muss rausspringen. Dann wieder einschalten. Das dauert zehn Sekunden und kann dein Leben retten.
Sobald der Strom fließt, kannst du alle 230V-Geräte im Wohnwagen nutzen: Steckdosen, Klimaanlage, Kühlschrank auf Strombetrieb und die Batterieladung.
Wasser und Gas: Die Versorgung steht
Frischwasser: Fülle den Frischwassertank über den Einfüllstutzen am Wohnwagen. Auf den meisten Campingplätzen gibt es zentrale Wasserstellen mit Schlauch. Wenn du einen eigenen Schlauch mitbringst (lebensmitteltauglich!), bist du flexibler. Prüfe auch, ob die Wasserpumpe im Wohnwagen funktioniert, indem du einen Hahn aufdrehst.
Grauwasser: Stelle den Abwassertank oder einen Auffangeimer unter den Ablauf des Wohnwagens. Grauwasser (Spül- und Duschwasser) darf nie direkt in den Boden abgelassen werden – das ist auf allen Campingplätzen verboten und umweltschädlich.
Gas: Gas brauchst du für Kocher, Heizung und eventuell den Kühlschrank. Prüfe vor dem Aufdrehen, ob alle Anschlüsse dicht sind (Geruchstest oder Lecksuchspray). Öffne die Gasflasche langsam und teste, ob der Kocher zündet. Die Gasprüfung (G 607) muss alle zwei Jahre erneuert werden – prüfe, ob sie aktuell ist.
Markise ausfahren und gemütlich machen
Wenn der Wohnwagen steht, Strom fließt und Wasser läuft, kommt der schönste Teil: gemütlich machen. Fahre die Markise aus (Bedienung je nach Modell per Kurbel oder elektrisch), spanne sie mit Sturmgurten ab, stell die Campingmöbel auf und breite den Outdoor-Teppich aus.
Ein paar Tipps für die Markise:
- Immer leicht schräg stellen, damit Regenwasser ablaufen kann und sich keine Wasserlaken bilden.
- Bei Wind ab Stärke 5 die Markise lieber einfahren – eine zerstörte Markise ist eine teure Angelegenheit.
- Nachts einfahren, wenn du nicht sicher bist, wie das Wetter wird.
Wenn du deine Packliste noch nicht abgehakt hast, ist jetzt der Moment: Schau in unsere ultimative Packliste für den Wohnwagenurlaub und prüfe, ob wirklich alles da ist.
Abfahrts-Routine: Alles sicher verstauen
Genauso wichtig wie das Aufstellen ist das Zusammenpacken vor der Abfahrt. Eine feste Routine verhindert, dass du etwas vergisst oder beschädigst:
- Markise einfahren und sichern
- Strom abstecken (erst Stromsäule, dann Wohnwagen)
- Wasser ablassen – Grauwasser entsorgen, Frischwasser ggf. ablassen für die Fahrt (spart Gewicht)
- Gas abstellen an der Flasche (Kocher und Heizung aus)
- Fenster und Dachhauben schließen und verriegeln
- Lose Gegenstände sichern – alles, was nicht niet- und nagelfest ist, rutscht während der Fahrt
- Kühlschrank auf 12V oder Gas umstellen (je nach Modell und Fahrtdauer)
- Kurbelstützen einfahren
- Auffahrkeile entfernen
- Ankuppeln – die vollständige Anleitung dafür findest du in unserem Artikel zum Wohnwagen ankuppeln
Fazit
Das erste Mal Wohnwagen aufstellen dauert – rechne mit einer guten Stunde. Beim zweiten Mal ist es die Hälfte, und nach ein paar Mal geht es fast automatisch. Der Schlüssel ist eine feste Reihenfolge: Nivellieren, Strom, Wasser, Gas, gemütlich machen. Wenn du diese Schritte beachtest, steht deinem ersten Campingabend nichts mehr im Weg. Und vergiss nicht: Auf dem Campingplatz helfen dir die Nachbarn gerne – Camper sind die freundlichsten Menschen der Welt.